Ratgeber
Amazon & Verbraucherrechte

Amazon Prime wird für manche Bestandskunden wieder günstiger

Der Bundesgerichtshof hat die Preisanpassungsklausel gekippt, mit der Amazon 2022 die Prime-Gebühren erhöhte. Doch wer ist betroffen – und gibt es das zu viel gezahlte Geld automatisch zurück?

2. Oktober 20266 Min. LesedauerAz. III ZR 205/25
Junger Preisfehlerteufel prüft eine Prime-Abrechnung nach dem BGH-Urteil

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Wer ist betroffen?Vor allem unveränderte Prime-Verträge von vor dem 15. September 2022.
Was ändert Amazon?Bestimmte Altkunden sollen vorübergehend wieder weniger zahlen.
Gibt es Geld zurück?Nicht automatisch. Bereits gezahlte Mehrbeträge sind ein eigener Punkt.
Warum Sammelklage?Sie soll klären, ob und in welcher Höhe Erstattung verlangt werden kann.
Aktuelles Urteil

Was genau hat der BGH entschieden?

Amazon hatte die Prime-Preise im September 2022 für Bestandskunden angehoben. Der Jahresbeitrag stieg von 69 Euro auf 89,90 Euro, der Monatsbeitrag von 7,99 Euro auf 8,99 Euro. Eine ausdrückliche Zustimmung der Mitglieder holte Amazon dafür nicht ein.

Der Bundesgerichtshof bestätigte am 1. Oktober 2026: Die dafür verwendete Klausel war nicht transparent genug und damit unwirksam. Für Kunden war insbesondere nicht klar erkennbar, welche Folgen ein Widerspruch gegen die höheren Preise haben würde.

Wichtig: Das Urteil bedeutet nicht, dass morgen automatisch Geld auf deinem Konto landet. Es betrifft zunächst die Wirksamkeit der Preisklausel.

Wer könnte jetzt wieder weniger zahlen?

Amazon hat angekündigt, die Beiträge für bestimmte Bestandskunden vorübergehend anzupassen. Besonders relevant ist das, wenn alle folgenden Punkte auf dich zutreffen:

  • Deine Prime-Mitgliedschaft begann vor dem 15. September 2022.
  • Die Mitgliedschaft lief seitdem ohne Kündigung weiter.
  • Du hast nicht zwischen Monats- und Jahreszahlung gewechselt.
  • Du hast den seit 2022 erhöhten Preis bezahlt.

Amazon will betroffene Mitglieder vor dem nächsten Zahlungstermin informieren. Ob dein Vertrag tatsächlich dazugehört, hängt von deinem persönlichen Vertragsverlauf ab.

Was passiert mit bereits gezahlten Mehrbeträgen?

Eine künftige Beitragssenkung ist noch keine Rückzahlung für die vergangenen Jahre. Die Verbraucherzentrale NRW führt deshalb vor dem Oberlandesgericht Hamm eine Sammelklage. Sie soll klären, ob Betroffene die seit 2022 gezahlten Preisunterschiede zurückverlangen können. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen I-13 VKl 1/25. Nach dem Stand vom 2. Oktober 2026 ist eine kostenlose Anmeldung zum Klageregister noch möglich.

Rechenhilfe: Beim unveränderten Jahresabo beträgt der Preisunterschied 20,90 Euro pro vollem Abrechnungsjahr, beim Monatsabo einen Euro pro Monat. Das sind nur Rechenbeispiele – Unterbrechungen, Wechsel und Verjährung können den individuellen Anspruch verändern.

Was du jetzt konkret tun kannst

  1. Vertragsbeginn prüfen: Suche in alten E-Mails oder Kontoauszügen nach dem Start deiner Prime-Mitgliedschaft.
  2. Änderungen notieren: Halte fest, ob du gekündigt, neu abgeschlossen oder die Zahlungsweise gewechselt hast.
  3. Amazon-Nachricht abwarten: Prüfe die nächste E-Mail und den angezeigten Betrag vor der Abbuchung.
  4. Sammelklage prüfen: Informiere dich bei der Verbraucherzentrale, ob eine Anmeldung zu deinem Fall passt.
  5. Unterlagen sichern: Bewahre Rechnungen, Abbuchungen und Mitteilungen zur Preiserhöhung auf.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine individuelle Rechtsberatung.

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Prime-Status und nächsten Beitrag prüfen

In deinem Amazon-Konto kannst du Zahlungsweise, nächsten Abrechnungstermin und den aktuell angezeigten Prime-Beitrag kontrollieren.

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Quellen & Stand

Geprüft am 2. Oktober 2026

Fragen aus der Community

Was Prime-Mitglieder jetzt wissen wollen

Bekomme ich das zu viel gezahlte Geld automatisch zurück?

Nein. Das BGH-Urteil erklärt die verwendete Preisanpassungsklausel für unwirksam, ordnet aber keine automatische Erstattung bereits gezahlter Mehrbeträge an.

Wer profitiert von der angekündigten Preisanpassung?

Nach Amazons Ankündigung geht es um Mitglieder, deren Prime-Vertrag vor dem 15. September 2022 begann und seitdem unverändert fortgeführt wurde. Amazon will betroffene Kunden informieren.

Ich habe gekündigt und später neu abgeschlossen – was gilt?

Der spätere Neuabschluss erfolgte wahrscheinlich bereits zu den neuen Konditionen. Ob für den früheren Zeitraum etwas verlangt werden kann, hängt vom Einzelfall ab.

Was ist bei einem Wechsel zwischen Monats- und Jahreszahlung?

Ein Wechsel kann die rechtliche Bewertung verändern. Prüfe deshalb das genaue Datum.

Gilt das auch für Prime Student?

Auch Student-Mitgliedschaften können relevant sein. Entscheidend sind Vertragsbeginn, Preisentwicklung und spätere Änderungen.

Betrifft das Urteil auch Werbung bei Prime Video?

Nein. Das Urteil betrifft die Prime-Preiserhöhung von 2022. Die Werbung bei Prime Video ist Gegenstand anderer Verfahren.

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